Stadthalle
Bayreuth 10.12.2009
Ach
herrje , das erste mal die Wise Guys und dann spielen sie mein

absolutes Lieblingslied nicht. Traurig. Wie kann man nur das vor Ironie

und
Romantik strotzende Paris nicht ins Programm nehmen. Da bin
ich

aber
sicher nicht der Einzige, der solche Gedanken an diesem Abend

gehabt haben dürfte. Nur jeder Besucher bei einem anderen
Song. Aber

das
ist das Problem einer Band, die bereits 10 Alben produziert hat und

das
Elfte schon fast in den Startlöchern steht. Welche Lieder nimmt man

ins
Programm? Den genauen Termin sag ich jetzt nicht, man hat es

beim
Konzert ja oft genug gehört, dass es Ende Januar so weit ist
:-) .

Schwierig
bei so vielen "das Lied
muss dabei sein" -Titeln. Die Wise

Guys
haben eine
einmalige Begabung. Sie schaffen es eine Unmenge von Liedern zu

schreiben, die sich durch eine schöne Meldodie und einen
witzigen Text

auszeichnen und die sofort ins Ohr gehen und hängen bleiben.
Ohrwurm

nennt
man so etwas. Da machen die neuen Titel auch keine Ausnahme,

einige wurden beim Konzert schon vorgestellt. Einer, der wohl nicht auf

der
Platte landen wird, ist "der Mann der alles 2x-machte". Und so gab

es
das Lied gleich 2x hintereinander, sehr zur Freude des Publikums,

das
beim zweiten Mal gleich noch mehr Spaß hatte.
Ein
weiteres "Problem" ist die Bekanntheit der Band. Eigentlich sind sie

noch
nicht mal so bekannt, aber trotzdem haben sie schon jetzt einen

immensen Fankreis. Man muss sich also sehr bald um Karten
bemühen

sonst
heißt es: ausverkauft! Genau wie diesmal in Bayreuth. Die 2

Bayreuther Konzerte die Jahre zuvor war das nicht anders.

Problem
3 , auch die Wise Guys können nicht endlos spielen.

Irgendwann ist Schluss und eigentlich möchte man noch soviel
hören, es

geht
einfach viel zu schnell vorbei.
Immerhin
ist das "Nachglühen" bei den Wise Guys eine gute Tradition

und so
tauchen sie nach ca. 30 Minuten wieder im Vorraum auf, singen

nochmal "unplugged" und unverstärkt einem Zuhörer ein

Geburtstagsständchen und schreiben bereitwillig Autogramme.
Genauso

locker, volksnah, natürlich und als Mensch wie Du und ich, wie
sie von

der
Bühne aufs Publikum wirken, präsentieren sie sich
auch danach.

Und
so kommen wir zum 4. Problem der Band. Aufgrund der Volksnähe

ist
eine "Neue Grippe Impfung" (die armen Schweine können einfach

nichts dafür) absolut nötig. Damit sind sie aber eine
absolut krasse

Minderheit, wie eine Befragung des Publikums schnell deutlich machte.
Es gab
noch ein 5. Problem an diesem Tag, das erste echte. Und das

war
die extrem nach hinten versetzte Bühne. Das war nicht wirklich

prickelnd und auch die Wise Guys waren darüber nicht gerade
glücklich

und
thematisierten das auch. Feuertür hin oder her, es kann nicht
sein,

dass
es nicht möglich ist in einem Konzertsaal die Bühne
vor das

Publikum zu stellen. Hier ist die Stadt Bayreuth gefordert. Ich hab
sowas

bisher nur einmal in Zwickau bei einem Open-Air erlebt. Und da sind die

Musiker dann einfach von der Bühne runtergestiegen. Leider hat
das bei

den
Wise Guys nur 2x Edzard Hüneke getan. Ich denk bei 24 Euro

Eintrittspreis darf ein Konzertbesucher eine ordentliche Bühne
erwarten und nicht einen Wassergraben ohne Wasser dazwischen. Aber das
ist

den
Wise Guys sicher nicht anzulasten. Und die Hallenmiete war bestimmt
auch nicht so billig für den Veranstalter, umso schlimmer.

Die
Wise Guys sind als Schulband entstanden. Erst Blas- , dann Rockmusik
bis man sich der Acapella-Musik annahm, oder wie die Wise

Guys
in einer Anmoderation so schön sagen "Vocal-Pop". Ohne
irgendein Instrument nur 5 Stimmen und wer denkt das wird irgendwann

langweilig, der sollte sich unbedingt ein Konzert anhören und
er wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.
Sie
sind damit nicht nur gut, sie sind auch noch extrem erfolgreich. Ihr
letztes Album "Frei" kam bis auf Platz 2 der Single Charts. Mit
über 14000 Zuhörern im Kölner Tanzbrunnen
hält man den Zuschauerrekord im Acapella-Bereich und es ist
nicht schwer zu prognostizieren, dass die neue CD noch erfolgreicher
werden wird.
Sie
sind die beste Vocal-Pop Band Deutschlands, die bekannteste sind sicher
die Prinzen. Aber auch dies wird sich noch ändern, jede Wette.

Ein
glückliches
Händchen hat man auch mit dem Anfang 2009 zur Band gekommenen
Kieler Tenor Nils Ofert. Der "kleine Robbie" (er gab "Angels", die
einzige echte Coverversion des Tages, zum Besten) fällt
einfach
sehr positiv auf. Aber das machen eigentlich alle 5, jeder auf

seine
Art. Zuerst hab ich gedacht, na ja Ferenc Husta passt nicht ganz zu den
4 anderen und bewegt sich mehr im Hintergrund. Bis er seinen ersten
Solopart bekam und später das "Seemannnslied", war sicher

eines
der absoluten Highlights des Abends. Aber das ist eigentlich auch
Quatsch, denn Highlights gab es einfach noch und nöcher, wie
z.B. das verschillerte Thriller, den Überhit "Es wird Sommer",
der selbst an diesem verregneten, tristen Dezemberabend, auch
dank der schönen

Lichtunterstützung, Sommerstimmung aufkommen lies. Der "Mann
fürs Licht" der Band hat sein Handwerk wirklich verstanden.
Die Bühne war ständig perfekt ausgeleuchtet, Songs
und Performance wurden eindrucksvoll unterstützt und auch der
Sound war sehr sehr gut, wobei die Stadthalle auch für die
Wise Guys die perfekte Location darstellt.
Zu
den 5 Guys gehören neben den schon
erwähnten Ferenc und Nils, der Fitness-Guru Marc Sahr, Edzard
Hüneke, den man sich auch gut als Musicaldarsteller z.B. als
Che in Evita vorstellen kann und Daniel Dickopf, der für viele
witzige Ansagen und Anmoderationen

verantwortlich war. Übrigens nicht Dickkopf, auch wenn das
vielleicht besser passen würde, denn angeblich ist der
Bandname durch den Ruf der Schüler bei den Lehrern entstanden,
bei denen sie als Besserwisser bzw. Schlaumeier (engl. für
Wise Guys) galten.

Ich
könnte noch viel schreiben, für heute sollen nur noch
die Bilder sprechen und beim Betrachten vielleicht meine CD des Jahres
2008 (siehe
hier) "Frei".
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