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Anna Calvi 2014
         Auge um Auge - und die ganze Welt wird blind sein
                                                               Mahatma Gandhi


Nürnberg, Hirsch 23.07.2014



Anna Calvis Vorstellung im Hirsch ist ein klassisches Beispiel dafür, dass man als Veranstalter schnell zum Buhmann wird, obwohl man gar nichts dafür kann und selbst mit der Situation alles andere als glücklich ist. Das ging damit los, dass das Konzert um 20.00 Uhr losgehen sollte und sich die Zuschauer bis 20.50 gedulden mussten, ehe Frau Calvi bereit war aufzutreten. Vorgruppe übrigens Fehlanzeige, schade. Deutliche Unmutsbekundungen aus dem Publikum waren die Folge, doch die waren schnell verstummt, als Frau Calvi loslegte. Eilt ihr doch ein beeindruckender Ruf voraus. Von der BBC als spannendste Newcomerin 2011 bezeichnet, als überaus talentierte Tochter eines David Bowie oder einer PJ Harvey gefeiert, als weiblicher Jimi Hendrix oder Prince wegen ihres beeindruckenden Gitarrenspiels, als musikalisches Ereignis, gar als musikalische Sensation.
Viele Lobeshymnen für die 34- jährige Tochter eines Italieners , die an der University of Southampton Musik studierte und seit 2006 als Musikerin auftritt. Und dies gleich vorweg, warum es einen Anna Calvi Hype in England gibt ist durchaus nachvollziehbar. Die Songs, die wie kleine Minimovies wirken und auch jeden Tarantino Film bestens untermalen könnten , oder als James Bond Titelsong weltbekannt werden würden,  haben durchaus ihren Reiz und dann erst diese Stimme. Verletzlich, zärtlich, romantisch, zerbrechlich, düster, depressiv, sehnsuchtsvoll, leidenschaftlich, glamourös, verführerisch, druckvoll, fesselnd, faszinierend. Es finden sich unzählige Adjektive, die das beschreiben, was Anna Calvi musikalisch zu bieten hat. Und das ist, egal ob düsterromantisch, voller Pathos oder auch schon mal richtig bluesig oder mit progressivem Gitarrenspiel unterlegt, ohne Frage höchst hörenswert. Nichts zum abfeiern, zum Tanzen und jubilieren. Aber zum Zuhören und fürs Kopfkino.
Keine Ahnung ob der Support von Nick Cave und das ständige Hören seines Überhits  „Where the wild roses grow“ dazu geführt hat, dass der Sound der junge Dame genau da anknüpft, das spielt  letztlich auch keine Rolle. Anna Calvi hat bis heute zwei höchst hörenswerte CDs veröffentlicht. 2011 Anna Calvi, und 2013 einen nicht weniger reizvollen Nachfolger mit dem Titel „One Breath“. Und die sind die Basis für die 15 Songs umfassende Setlist, die mit „Suzanne and I“ und „Eliza“ gleich 2 Singleauskopplungen zu Beginn des Konzerts bereithält. Selbstverständlich gibt’s auch die anderen beiden vom ersten Album „Blackout“  und „Desire“ zu Gehör und ganz zum Schluss gibt es mit ihrer ersten Single „Jezebel“ einen beeindruckenden musikalischen Schlusspunkt,  das letzte Lied dreier Zugabesongs.
Und doch bleibt wie schon oben erwähnt, ein echt bitterer Beigeschmack. Weil 75 Minuten einfach zu wenig sind, um einen Eintrittspreis von knapp 30  Euro rechtfertigen zu können. Und die müssen halt sein, wenn man als Veranstalter  einigermaßen kostendeckend wirtschaften will. Es ist dem Concertbüro Franken hoch anzurechnen, dass man sich überhaupt um eine Anna Calvi, die zwar sehr gehypt wird, aber schon allein songbedingt nicht die Leute in Massen anzieht, bemüht. Zumindest momentan noch nicht. Und so war der Hirsch zwar ordentlich besucht, aber es hätten schon noch einige Leute Platz gefunden.
Die gekommen waren, waren aber richtig klasse, selbst als nach dem Konzert schon die Musik ertönte und das Licht anging, untrügliches Zeichen, dass es das war, da rissen die lautstarken Zugaberufe nicht ab, aber auch die konnten Anna Calvi nicht überzeugen , nochmals auf die Bühne zu kommen. Und Autogramme oder ein kleiner Plausch mit dem Publikum, Fehlanzeige. Lobende Ausnahme hier die wunderbare Multiinstrumentalistin Mally Harpaz, die neben E-Bass und gefühlvollem Percussionspiel auch noch ein indisches Harmonium ausgezeichnet beherrscht. Schon beim Konzert konnte sie als Musikerin  voll überzeugen und nach dem Konzert war sie sich nicht mal zu schade nicht nur zum Merchandisestand zu kommen, sondern für Autogrammwünsche der Besucher in den Backstagebereich zu Anna Calvi zu laufen.
Ob sich Anna Calvi mit all dem wirklich einen Gefallen tut und man damit langjährige Fans und wiederkehrende Konzertbesucher gewinnen kann darf zurecht bezweifelt werden. Trotz aller musikalischer und stimmlicher Qualität.


Nun zur Bildergalerie, die leider etwas durch das schwierige Licht und den vielen Nebel leidet.