Festival Mediaval Ausgabe 5- 2012
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Tag 3: Sonntag 09.09.2012
Sagax Furor, Ars Floreo und Senos Sento, der Nachwuchswettbewerb im Bereich Spielmannsmusik
Sonntag hieß es dann noch etwas früher aufzustehen, denn diesmal ging der
Nachwuchswettbewerb nun in der Kategorie Spielmannsmusik schon um 10.00 Uhr los.
Sagax Furor hatten die schwierige Aufgabe den Weckruf über den Goldberg zu
schicken, was ihnen so bravurös gelang, dass sie den Wettbewerb auch für sich
entscheiden konnten. Mit Dudelsäcken, wilden Getrommel und stimmunsvollen Songs
rissen sie das immer zahlreicher erscheinende Publikum mit. Das gelang allerdings
auch problemlos Ars Floreo, die zu dritt mit launigen Ansagen und stimmlicher
Qualität überzeugen konnten. Da die dritten im Bunde Senos Sento mit ihrer
akustischen Musik ebenfalls für Verzückung sorgten hatte es Jury und Publikum
wirklich schwer, den Sieger zu bestimmen.
Sagax Furor














Senos Sento







Ars Floreo
Chor on Air
Nach dem absoluten
Ohrenfreiblasen was Winterstorm zur Perfektion geschafft haben, haben
die Veranstalter einen famosen Kontrastpunkt gesetzt. Es war ja schon
am Morgen krass, als ein Doppelachsbus die Auffahrt zum VIP-Zelt
hochfuhr, sich die Türen öffneten und Mann um Mann und Frau
für Frau dem Bus
entstiegen. Das wollte gar nicht mehr
aufhören und die Festival Mediaval Besucher konnten um 12.00 Uhr
alle live miterleben wieso so ein großer Bus für den
nächsten Act nötig war. The Chor on Air mit über 70
Leuten stand auf der Bühne. Das hatte es bei einem Festival
Mediaval auch noch nicht gegeben. Schon von Weitem waren die
stimmgewaltigen Frauen und Männer gut zu hören und lockten
immer mehr Neugierige an. Wie geschaffen für das Festival Medival
ist dieses gemeinnützige Chorprojekt aus Speyer, die mit ihrer
Show Celtic Night Mut bewiesen haben. Entstanden ist es aus der Idee
ihres Chorleiters Stefan Golea, der nach einem gemeinsamen Auftritt mit
dem Belgischen Scala-Chor ein neues Programm suchte. Mutig deshalb,
weil sicher nicht alle Chormitglieder Celtic, Gothic oder
Mittelaltermusikfans sind, geschweige denn die Zuhörer, es sei
denn man tritt in Selb auf.
Bei mir hatten sie ja schon
gleich am Anfang gewonnen, als sie einen der schönsten Subway to
Sally Songs Eisblumen in ein wunderhübsches Chorgewand
hüllten. Weiter ging es u.a. mit Songs von Nightwish und Epica um
nur mal 2 Bands zu nennen. Einen zweiten sehr emotionalen Glanzpunkt
setzte man, als man Blackys Tochter und einem Bandmitglied musikalisch
mit einem gesungenen Happy Birthday zum Geburtstag gratulierte. Blackys
Tochter hatte sich das
wahrlich verdient, denn wie die Tage zuvor so
musste sie auch an diesem Tag für das Festival arbeiten, wie
übrigens viele andere freiwillige Helfer die keinen Geburtstag
hatten natürlich auch.

Nun noch einige Bilder von einer beeindruckenden Premiere in Selb
Lotus Ensemble
Den nächsten
Kontrastpunkt gab es um 13.00 Uhr mit dem Lotus Ensemble aus Vietnam.
Wie jedes Jahr haben es sich Rudel, Blacky und Oli nicht nehmen lassen
Bands auf die Bühne zu holen, die man so in Deutschland nicht oder
nie auf einem Festival erleben kann. Egal ob sie aus dem hintersten
Sibirien kommen und kein Wort deutsch oder englisch können, wie
2009 Veda Kolod aus Sibirien, oder wie 2012 eben aus Vietnam. Die 2
Frauen und der Bandchef trugen Volkslieder und volkstümliche
Melodien aus Nord-, Mittel- und Südvietnam vor. Leider bei recht
kleiner Zuschauerkulisse. Viele haben sie verpasst, die zugehört
haben hatten bestimmt ihre Freude an den fremdländischen
Klängen und den exotischen Instrumenten. Was man von den Asiaten
noch lernen konnte ist ihre Gelassenheit. Da wird bei dem Riss einer
Seite einfach die Bühne verlassen und ganz cool einfach ein neues
Instrument aus dem Kofferraum geholt, ohne das der Sound merklich
leidet. Zwar auch, weil ein Teil leider von Band kam, aber trotzdem
waren das Lotus Ensemble einen Besuch wert. Schon allein wegen den
netten Ansagen ans Publikum.















Spiritual Seasons
Spiritual Seasons aus
der Ukraine kann man auch nicht alle Tage hören, Im Gegenteil. Der
Auftritt der Folkband war der einzige in Deutschland. Manch einer hat
sie zuvor schon auf der Theaterbühne gehört, nun durften sie
auch eine Stunde auf der SB ihr Können unter Beweis stellen. Mit
tratitionellen Mittelalterklängen, sowie irischen und
skandinavischen Folksongs klangen die Ukrainer gar nicht so anders wie
man es vielleicht zuvor vermutet hätte.
Die Bildergalerie zeigt Spiritual Seasons bei den Auftritten auf der Theater und Schlossbühne.
PurPur
Als absoluter
Zuschauermagnet erwies sich um 15.00 Uhr einmal mehr PurPur.
Auseinanderhalten kann ich die Zwillinge Judith und Christine bis heute
nicht, es sei denn sie stehen ausnahmsweise knapp nebeneinander. Dann
hilft der Größenvergleich. Das wars dann aber auch mit dem
Unterschied und genauso ähnlich wie die 2 sind, genauso gut passen
ihre Stimmen zusammen, die das gemütlich sitzende Auditorium
verzauberten. Ich bin immer
noch völlig fasziniert davon, wieviel Zuhörer dem
Mittellalter-Fantasy-Zwillings-Folk (verstärkt mit Leih-
geiger Matthias von der Band Tir Na Nog), wie sie selbst gern ihre Musik bezeichnen, andächtig lauschten.
Viel Applaus und strahlende
Gesichter waren der Lohn für die 2 Mädels die ja fast im
Dauereinsatz waren. Vor allem Christine mit ihren 9 Auftritten neben
PurPur auch mit Saitenweise und Heiter bis Folkig hatte sich ein echtes
Mammutprogramm aufgehalst. Es zeigt aber auch wie die 2 die Musik
leben. Und daneben werden natürlich auch noch die lieben Kollegen
abgefeiert, wie z.B. Omnia beim Abschlusskonzert.
Bilder von Pur Pur gibts vom Freitag und vom Sonntagsauftritt
Cradem Aventure
Nach der Goldenen
Zwerg Verleihung machte die Band Cradem Aventure den Abschluss auf der
BB. Die letzten Ostgoten, wie sie sich gern nennen, haben bei mir einen
etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Optisch ohne Frage ein
Highlight und sehr passend ist die Musik für mich 1 ½
Stunden dann doch etwas zu eintönig und wenig abwechslungsreich.
Und 2 Mal Instrumentalmusik in Folge mit stark Dudelsacklastigem Sound
echt anstrengend. Schade eigentlich, denn die Show und vor allem die
Feuerkünstlerin war optisch sehr passend.

Mask

Ganz am Ende war man allerdings
noch nicht, als kleines Dankeschön und als
musikalischen
Rausschmeisser standen die 3 Macher auf der Bühne um Rudi
Meier
genannt Rudel und seine Band Mask anzukündigen.
Ein richtig stimmungsvoller
Abschied war das und Lust wieder in den Alltag zurückzukehren
hatte wohl kein einziger der vielen vielen Besucher, die immer noch am
Platz verweilten und zum Teil leidenschaftlich mitsangen.
Und so ging der Auftritt gar nicht ins Auge wie das Foto vermuten lässt, sondern
voll ins Herz.
Soviel zum Musikprogramm , ein
paar Sätze möchte ich jetzt aber unbedingt noch über das
Rahmenprogramm verlieren. Denn das macht das Flair dieses Festivals
auch aus. Egal ob das Kleinkunstprogramm , das wie jedes Jahr sowohl
was Fotos
anbelangt, wie auch im Bericht eigentlich viel zu kurz kommt,
die Workshops bei denen man sich im Drehleier- , Digeridoo-,
Rahmentrommel- und Dudelsackspielen ausbilden lassen konnte. Oder in
Kontaktjonglage, Orientalischem Tanz, Mittelalter-Tanz, Schleiertanz,
in Poi und besonders exotisch in Khoomei-Obertongesang. Die Kurse
hatten großen Zulauf und mit Rüdiger Maul
von Faun, Daphd
Sens von Omnia, Axel Zwingmann von Ignis Fatuu und Beatrice Baumann
auch bekannte Lehrmeister um einmal 4 Namen zu nenen. Apropos Beatrice,
sie war auch in diesem Jahr ein strahlender Mosaikstein, egal ob selbst
mit Kontaktjonglage solo, oder mit Omnia und Versengold auf der
Bühne. Und
natürlich wenn sie als Stier oder Einhorn mit
ihren selbst entworfenen und gefertigten Kostümen über den
Platz stelzte und nicht nur die Kinder in Verzückung versetzte.
Die Kleinkünstler, egal ob Basseltan, die 2 Herolde die
außerdem noch die Moderation wo auch immer sie gebraucht wurden
übernahmen, der witzige Gaukler Lupus der mit Jonglage und
Akrobatik glänzte, ob Artistica Anam Cara,
das Räubertheater
Hopsa Viva Insgemein usw., oder die ganzen Lagergruppen von Bautzen bis
Erding, die ganzen Kinderprogramme und viele großartige
Händler, die Fressstände nicht zu vergessen. Sie alle tragen
gewaltig zu der Einmaligkeit dieses Festivals bei. Am meisten jedoch
die zahlreichen Besucher, die großartig gewande,t oder ganz
normal gekleidet, der wichtigste Teil dieses Festivals sind. Und dies
nicht nur wegen ihres Besuchs, sondern ihrer ganzen Art. Das merkt man
auch, wenn man sich Tage danach durch Selb bewegt, da wird überall
geschwärmt, sei es über die Sauberkeit der Besucher, die
Freundlichkeit oder die großartigen Kleider.

Waren die Selber am Anfang sehr
reserviert so sind viele inzwischen mächtig stolz auf "Ihr "
Festival und möchten dies auch nicht mehr missen. Vielleicht war
auch die Beteiligung des Vereins ENKL Ausdruck dieser
Wertschätzung . Der Verein der jedes Jahr in Selb ein großes
Meilerfest ausrichtet, hat es sich nicht nehmen lassen und am
Wochenende live am Festivalgelände Holzkohle produziert.
Bestimmt haben wir noch 1000
Sachen vergessen zu erwähnen, man möge es uns nachsehen. Wir
von Jarwinbenadar.de und gruftimusik.de möchten uns
ausdrücklich noch einmal bei den Machern des Festivals bedanken,
die viel Herzblut und auch finanzielles Risiko nun schon 5 Jahre
investiert haben um jedes Jahr von Neuem ganz vielen Menschen eine
große Freude zu machen (die vielen freiwilligen Helfer nicht zu
vergessen) und viele positive Reaktionen allein auf Facebook zeugen
davon. Und auch das ist ja auch nicht immer üblich , meist
heißt Schweigen ja war ok und nur die Kritik wird laut. Zum
Glück ist das hier auch etwas anderes.
So bleibt nur noch Lacrimosa
und ihren neuen Song "Irgend ein Arsch ist immer unterwegs" zu
zitieren. Der Arsch in diesem Fall waren gleich mehrere, die die
Gelegenheit nutzten um die Festivalbesucher und Händler massiv zu
beklauen. Das erschreckende daran ist, dass das keine Einzelfälle
mehr sind, sondern das ganze scheinbar von Musikfestival zu Festival
Bandenmässig organisiert ist. Bei Wacken soll es allein über
800 Fälle gegeben haben und in Selb hat die Security scheinbar
auch eine Diebesabnde erwischt. Das schlimmste daran, nachdem die
mittellaterlichen Foltermethoden ja abgeschafft sind, passiert ihnen
nichts. Man nimmt ihnen die Sachen ab und lässt sie wieder frei.
Da könnte man sie auch gleich wieder auf den Goldberg fahren. Aber
vielleicht muss man sich in Zukunft gerade darauf speziell einstellen,
aber das ist bei der Weiträumigkeit des Zeltgeländes und der
Parkplätze ein schwieriges und vor allem auch sehr teueres
Unterfangen, das letztlich jeder Konzertbesucher zahlen muss. Traurig
echt.
In diesem Zusammenhang
möchte ich die Security noch einmal explizit loben, man hat sofort
versucht zumindest soweit möglich darauf zu reagieren. verhindern
konnte man die zahlreichen Diebstähle der 3 Tage natürlich
nur bedingt.
Danke Euch 3 für Eueren Mut und dafür mit ganz vielen tollen
Helfern einmal mehr ein unvergessliches Festival auf die Beine gestellt
zu haben.
Auf ein neues 2013-dann zum sechsten Mal

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